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Teil 7: Getrennte Wege

 

Drei Tage lang geniessen wir den Komfort unserer Kasbah. Der Pool, die bequemen Betten oder einfach nur ein Tisch mit vier Stühlen sind eine willkommene Abwechslung zum staubigen Campinggeschäft. Im speziellen wissen wir den Komfort einer persönlichen Toilette zu schätzen; auch ich bin mittlerweile unter die Lackierer gegangen, nicht so schlimm wie die anderen, aber eine Phasentrennung ist, wie Sebastian es nennt, ganz klar nicht mehr gegeben.
Bereits gestern waren Pierre und der stille Achim gen Westen aufgebrochen. Zwar zu den selben Zielen, die auch wir noch auf der Liste haben, aber eben nicht mit der selben Zeit. Der Abschied fiel sehr freundschaftlich aus – nach gerade mal einer gemeinsamen Woche. Schade, die beiden ziehen zu sehen, aber schön, sie beisammen zu wissen. Dass ihre dicken 1200er nun nicht mehr dabei sein würden, sollte sich im übrigen schon bald als durchaus sinnvoll erweisen.

 


An unserem letzten Abend in der Wüste lassen wir uns zum obligatorischen Kamelritt in die Dünen breitschlagen.



Sebastian hat zwar das einzige unbequeme Dromedar erwischt…



… aber der Sonnenuntergang entschädigt für alles.


Bevor wir uns am nächsten Morgen auf den Weg machen, buchen Behrang und ich einen Teil unserer Heimreise mit dem Autoreisezug. Im 35°C heißen Internetcafe fällt es zwar schwer, sich mitteleuropäische Spätherbsttemperaturen vorzustellen. Da aber schon die Anreise im Nieselregen kein motorsportliches Zuckerschlecken war, siegt schließlich die Aussicht, so noch zwei Tage länger in Afrika bleiben zu können.

 



Das „Cyber“ in Adrouine ist eine sprichwörtliche Lehmhütte mit Generator im Hof, der ausgerechnet dann aufgibt, als Stefan eine mühsam in die fremde Tastatur gehackte 2-Seiten-eMail abschicken möchte. Regressansprüche lässt der Besitzer leider nicht gelten.

 


Zuhause unvorstellbar: Mit einem Diesel-Wasser-Gemisch lassen wir uns in der örtlichen Tankstelle den Sand aus den Ritzen blasen. Wer weiss, was Diesel in der Lunge anrichten kann, wartet derweil lieber draußen.



Durch die glühende Mittagssonne machen wir uns schließlich auf den Weg.



Schatten Mangelware: Mancherorts fahren wir ein paar Hundert Meter in die Steppe, um einen Zwischenstop zum Trinken zu machen. Der Wasserbedarf ist immens.


 

Trotz der Hitze kommen wir gut voran. Als wir auf der N12 schon nach zwei Stunden unser Tagesziel Alnif erreichen, finden wir allerdings keinen Platz zum Campen. Wir entschließen uns daher, noch die im Michelin als Piste ausgezeichnete Nord-Verbindung zur N10 zu fahren. Das Problem dabei: Die Fahrtzeit auf unbefestigten Strassen ist immer schwer zu planen. Es gibt Schotterpisten, auf denen man, ausreichender Abstand vorausgesetzt, annähernd Landstrassengeschwindigkeit fahren kann. Und es gibt Geröllstrecken, auf denen man quasi zu Fuß unterwegs ist. Zu unser Erleichterung entpuppte sich die Route dann allerdings als keines von beiden, sondern als tiefschwarzes und tadellos frisch planiertes Teerband.

 


Südlich von Rhelil hat uns nach zwei Nächten im Hotel endlich der Dreck wieder!


Ein junger Campingplatzbesitzer heißt uns mit Tee und selbstgeernteten Datteln willkommen. Während die anderen ihre Zelte aufbauen, unterhalte ich mich eine Weile in recht passablem Englisch mit ihm. Wir sind seine ersten Gäste in der noch frühen Saison. Meiner Bitte nach ein paar Gewürzen für unser Abendessen kommt er begeistert und in großer Menge nach: Seine Mischung sollte uns noch lange begleiten und bald die zentrale Rolle in unseren Campingtöpfen spielen.
Nicht beantworten konnte er uns leider unsere Fragen zur Befahrbarkeit unserer morgigen Etappe, einer unbefestigten Querverbindung zwischen der Todra- und Dadesschlucht.

 


Gute Nacht, John-Boy

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