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Wüstentraum vs. Kneipensport

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Naturgemäß gibt es in unseren Breiten im Januar wenig worauf man sich als Motorradfahrer freuen könnte. Allerhöchstens vielleicht, dass man im Vergleich zum Dezember einen Monat näher am Frühling ist, oder dass man endlich genug Zeit hat, ein paar mürbe gewordene Teile am Zweirad zu tauschen. Vielleicht hat man von der Verwandtschaft auch einen Gleichrichterschutz zu Weihnachten bekommen, dessen Sinnhaftigkeit man unter Umständen zwar anzweifelt, der aber offenbar in der richtigen Preiskategorie für Weihnachtsgeschenke rangiert hat. Jedenfalls könnte man so einen Gleichrichterschutz im Januar verbauen, oder eben umtauschen, je nachdem, wie tapfer man ist.

Ein Silberstreif am Horizont ist in diesem dunklen Monat einzig und allein die Rally Dakar, Nachfolgerin des legendären Wüstenrennens Paris-Dakar. Alle Jahre wieder suche ich dafür Anfang Januar panisch den Programmplatz von Eurosport (Nachricht an mich selbst: 25!) in der Hoffnung, dass diese außergewöhnliche Veranstaltung in diesem Jahr vielleicht endlich die ihr gebührende Berichterstattung erfahren darf. Ich weiß selbstverständlich, dass das auch die Eurosport-Programmchefs so sehen, bin aber jedes Jahr immer wieder aufs neue erstaunt darüber, dass wir beide zu so völlig unterschiedlich Einschätzungen kommen. Gebührend hieße bei mir: Mehrmals täglich Liveübertragungungen von Start, Ziel und aus dem Lager. Gebührend bei Eurosport heißt: Halbe Stunde höchstens, davon zehn Minuten für die Motorräder, und – ganz wichtig – unvorhersehbare Sendezeiten! Oder, so wie gestern Abend, eine angekündigte Übertragung einfach mal kommentarlos gar nicht senden. Stattdessen Snooker und Dart. Ich hatte nie etwas gegen Kneipensportarten, aber in all den Jahren Dakar-Erwartung immer mit Snooker und Dart abgefertigt zu werden, hat dazu geführt, dass ich SNOOKER UND DART NUN HASSE. IMMER DIESE SCHMIERIGEN TYPEN, DIE EINEN DÜRR, DIE ANDEREN FETT, SOWAS KÖNNEN SICH AUCH NUR ENGLÄNDER AUSDENKEN.

Im Ernst, es ist mir ein Rätsel. Allein bei den Landschaften, durch die die Teilnehmer der Dakar in atemberaubendem Tempo knattern, fällt einem die Kinnlade runter. Da braucht man nicht mal Motorsportfan zu sein. Wüsten, Dünen, ausgetrocknete Flußbetten – alles wunderschön aus dem Helikopter in Szene gesetzt. Frenetisch feiernde Südamerikaner, die völlig ausgepowerte Fahrer im Ziel empfangen. Individuelles, fahrerisches Können im ewigen Kampf mit Technik, Strategie, Wetter und Glück. Wie kann man das nicht mögen!

Ich will mich ja gar nicht beschweren. Vielleicht würde ich mehr als eine halbe Stunde täglich, zwei Wochen lang, gar nicht gucken. Aber wenn meine Dakar doch wenigstens zur angekündigten Zeit beginnen würde, dann wäre mir schon gedient.

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