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Teil 7
Clooneys Pool

Der Begriff Po-Ebene klingt natürlich immer bisschen sexy undsoweiter, aber wenn man erst mal dort ist, dann ist das italienische Voralpenland alles andere als sexy. In der Reisezeit ist es dort meistens heiß und schwül, und die Landschaft macht in weiten Teilen auch nicht viel her, weil die Landschaft meistens Land-Wirtschaft ist. Etwa die Hälfte des Tages sollten wir heute mit der Bezwingung der Po-Ebene verbringen, bis uns die Alpen am Comer See endlich wieder in ihre kühlen Arme schließen würden. Vor Mailand verlassen wir die Landstraße, um auf auf der Maut-freien Autobahn einen Bogen um die Metropole zu schlagen.

Speziell dort wird es am Mittag unerträglich heiß. Und schlimmer noch: Ich habe nur noch Sprit für etwa 60 Kilometer. Bei den meisten Motorrädern ist das nicht weiter schlimm, aber die F-Serie von BMW ab 2009 hat ein bekanntes Problem mit der Spritpumpe: Hohe Umgebungstemperaturen kombiniert mit niedrigem Benzinstand sorgen für eine Überhitzung der (im Tank sitzenden) Pumpe, die sich dann abschaltet. Wenn ich bekanntes Problem sage, dann meine ich natürlich: Unter den Besitzer bekannt, nicht beim Hersteller. Dort sind das tragische Einzelfälle, noch nie gehört davon! Genau wie beim verschmorten Scheinwerfer o.ä.

Mitten auf der Überholspur des dicht gefüllten Mailänder Autobahnrings also schlägt die gefürchtete Pumpenmalaise bei mir zu. Motor aus, bei Tempo 120. Zwischen hupenden LKW rolle ich noch mit letztem Momentum auf die rechte Spur, bleibe stehen. Mante fuhr vorneweg und ist außer Sichtweite.

Doofe Stelle, jetzt, klar. Aber ich kenne das Problem, und ich weiß die Lösung: Tanken, und zwar fix! Das Navi verspricht eine Zapfsäule hinter der nächsten Ausfahrt, das schaffe ich im Stop & Go. Nur weiß Mante noch nix davon. Der ist vielleicht schon buchstäblich über alle Berge?

Zum Glück hat Mante aufgepasst und wartet ein paar Hundert Meter weiter. Halb rolle, halb stottere ich nach der Abfahrt durch ein Neubaugebiet zur nächsten Tanke. Mit vollem Spritfass läuft die Pumpe dann wieder ganz normal, und wir können uns auf den Weg zu George Clooney machen

Der nämlich wohnt am Comer See. Irgendwo da hinten. Vielleicht.

Wie viele andere norditalienische Seen auch ist der Comer See an seinen Ufern ziemlich zugebaut. Lange Tunnel wurden entlang der steilen Ränder durch den Fels getrieben, um dem Verkehr irgendwie Herr zu werden, mit dem Ergebnis, dass man den See selbst höchstens bei den seitlich geöffneten Galerien für Sekundenbruchteile sieht.

Nach all der Schwitzerei haben wir uns eine Erfrischung redlich verdient. Wir fahren bei Bellano ab und finden sogar eine kleine, öffentlich Badestelle. Nach dem Bad trocknen wir in der Sonne und essen einen Happen.

Noch rund 100km durch das Veltlin trennen uns von unserem angepeilten Tagesziel Sondalo. Im Tal der Adda wird es zwar nicht, wie erwartet, kühler. Aber immerhin gibt es wieder Berge zu gucken und Kurven zu fahren.

Auf dem Campingplatz am Fluss herrscht gähnende Leere. An der geschlossenen Rezeption hängt, wie so oft, nur eine Handynummer. Aber es meldet sich jemand und öffnet uns die Schranke. Abgesehen von einem zeltenden Pärchen sind wir die einzigen Gäste.

Mante schmeißt direkt den Hobo an. Ihr erinnert euch an unsere Nachbarn aus Torgau bei der Stella Alpina? Die waren zu faul, mehrere Dosen Bohnen- und Gemüsesuppe ungeöffnet wieder mit nach Hause zu nehmen und haben sie vor der Abfahrt früh morgens einfach uns ans Zelt gestellt.

Deswegen gibt es heute Abend Torgauer Bohnensuppe vom Quassel-Rind. Auf Holz gegart!

Anders als das warme Tal der Adda ist der Fluss selbst klirrend kalt. Zum Bier-kühlen liegt er nur leider viel zu tief hinter einer meterhohen Flutmauer. Hätte man doch jetzt bloß eine lange Schnur dabei, um das Sixpack runter zu lassen…

Aber drei aneinander gebundene Spanngurte tun es am Ende auch. Noch ein guter Grund! Vielleicht nehme ich beim nächsten mal absichtlich zehn Spanngurte mit.

Sogar genügend Material für ein kleines Lagerfeuer bekommen wir am Ende auf dem aufgeräumten Gelände noch zusammen. Zelte stehen, Suppe schmeckt, Bier ist kalt… läuft!

Morgen steht das Wiedersehen mit einem alten Bekannten auf dem Programm: dem Stilfser Joch. Zwei mal war ich schon oben. Aber noch nie aus Richtung Süden! Mante sagt: Höchster Pass in Italien? Mir egal. Aber ich komm mit.

One Thought on “Teil 7
Clooneys Pool

  1. mante on 3. Oktober 2018 at 12:56 said:

    Die jause am see hat noch nie so geil geschmeckt!

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