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Teil 3
Flucht ans Meer

Am nächsten Morgen blasen wir zeitig zum Appell. Wie immer beim Reisen in mittelgroßen Gruppen gibt es eine gewisse zeitliche Differenz zwischen den Frühaufstehern und den Entspannten. Aber der Lasko-Konsum gestern Abend hielt sich in Grenzen, und niemand lässt auf sich warten. Die Stimmung ist prächtig. Wir verabschieden uns von Vili und versprechen, gegebenenfalls auf dem Rückweg noch einmal vorbei zu schauen.

Viele von Vilis Gästen sind 1. Weltkriegs-Touristen, die entlang der ehemaligen Kampflinie zwischen Österreich-Ungarn und Italien voll auf ihre Kosten kommen. Auch wir steigen, wenige Hundert Meter vom Campingplatz entfernt, in die hundert Jahre alte Slowenische Grenzkammstrasse ein, die heute zwar weitgehend befestigt ist, aber immer noch einen sehr schönen Verlauf hat. Mit ausufernden Offroad-Ausflügen wollen wir uns ob der uns weiterhin im Nacken sitzenden Wetterfront ohnehin nicht aufhalten.

Entlang der Grenzkammstrasse reihen sich befestigte Bunker- und Geschützanlagen wie an einer Perlenkette. Wir verlassen die Strasse und fahren über ein paar kleine Hügel. Bomben und Schützengräben haben hier eine Art Buckelpiste geschaffen. Von der ehemaligen Geschützstellung hat man eine wunderbare Aussicht auf das Soca/Isonzo-Tal. Dort unten haben wir heute Nacht geschlafen.

Danach lassen wir die ersten Meter auf Schotter ruhig angehen. Trotzdem rutscht Dominik in einer Kurve das Vorderrad weg. Mensch und Material tragen aber nur leichte Blessuren davon.

Über kleine Militär- und Landstrassen navigieren wir Richtung Triest. Oberhalb der italienischen Großstadt machen wir an einer Bushaltestelle Mittagspause mit Kuchen und Salami. Gute Kombi! In weiter Ferne ist schon die Adria zu sehen. Die Vorfreude steigt!

Wir umfahren Triest auf der Autobahn. Noch ein winziges Stück Slowenien, dann stehen wir an der kroatischen Grenze. Auf dem letzten Stück bis zur Hafenort Umag am Meer steigt die Durchschnittsgeschwindigkeit merklich! Und die letzten Meter bis zur Promenade geht es zu Fuß weiter.

Nachdem wir uns an der Meerluft satt geschnuppert haben, machen wir uns an die Suche nach einem Campingplatz. So lauschig und familiär werden wir diese Nacht wohl nicht davonkommen: Die Istrische Adriaküste ist touristisch voll erschlossen. Campingplätze mit 6000 Plätzen und eigener Feuerwehr sind keine Seltenheit. Und es ist Hauptsaison!

In der Tat müssen wir ein paar Plätze abklappern, bis wir fündig werden. Weniger weil nichts frei ist, sondern weil nichts schön ist. Schließlich sichern wir uns auf einem Platz nördlich von Novigrad eine Doppelparzelle zwischen hohen Pinien, keine 30 Sekunden vom Wasser entfernt, mit toller Aussicht übers Meer.

Nach einem schnellen Bad in der Adria ziehen wir die Zelte hoch und schmeißen die Feldküche an. Es gibt Pasta Carbonara, dazu ein Bier aus dem 2-Liter-Gebinde.

Nacht!

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