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Teil 2
Schottern bei Winnetou

Am nächsten Morgen setzen wir uns flink in Trab (nicht so flink, wie unser Nachbar allerdings, der ist bereits spurlos verschwunden, als wir mit den ersten Sonnenstrahlen aus den Zelten krabbeln). Auch die zweite Nacht war wieder ordentlich frisch. Ich bringe deshalb beim Rühreier-mit-Reis-Frühstück zur Sprache, ob man nicht einfach noch etwas weiter nach Süden fahren sollte, an die Adria zum Beispiel. Mante ist einverstanden, auch an der Adria war er noch nicht.

Wir fahren an diesem Tag also nur noch ein paar kleinere Pässe, halten uns tendenziell aber südlich. In Kötschach-Mauthen kaufe ich mir ein Handtuch, da ich doch tatsächlich vergessen habe, eins mitzubringen. Als wir uns kurz vor Italien beim Tanken mitten in einer riesigen Harley-Reisegruppe wiederfinden, hält mir Mante ein Referat über die verschiedenen Modelle.

Zur Mittagszeit befinden wir uns bereits tief im Friaul. Als wir uns neben einer rastenden Motorradgruppe niederlassen, werden wir prompt zum Essen eingeladen. Es gibt Brot, Antipasti, Obst und – weil die Jungs Italiener sind – eine offene Flasche Wein. Ich lasse mir auch artig einen Plastikbecher einschenken, lehne die zweite Runde aber dankend ab.

In Österreich sind wir ohne Autobahn ausgekommen, und auch in Italien umschiffen wir die Maut. Das Autobahnteilstück der A4 bis Triest ist ab Monfalcone frei zu befahren und spart einem das Rumgegurke im hügeligen Westen Sloweniens. Man kreuzt das Land dann nur noch auf einem etwa 30km breiten Streifen und ist im Nu in Kroatien.

Wir peilen einen kleinen Campingplatz an der Küste südlich von Senj an, einen meiner Lieblingsplätze in Kroatien. Ich habe das Camp Ujča vor vielen Jahren mal auf einer Tour mit Behrang und Achim entdeckt. Auch wenn es mittlerweile etwas ausgebaut wurde, hat es nichts von seinem familiären Charme verloren. Es liegt eingequetscht in einer kleinen Bucht, 50 Meter höher verläuft die Küstenstrasse (von der man aber nichts mitbekommt). Die einzelnen Zeltplätze sind wegen des Platzmangels sehr begrenzt und teilweise auf steinernen Terrassen angelegt. Die Zufahrt verläuft durch einen sehr schmalen Tunnel, der größere Wohnmobile und Wohnwagen aussperrt. Auch das kommt der Atmosphäre im Camp Ujča zugute.
 

 

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Tags darauf begrüßt uns die Kvarner Bucht mit Wolken und starkem Wind. Es bleibt aber trocken und warm ist es auch, damit können Mante und ich gut leben.

Mit Blick auf die Inseln Krk und Prvić machen wir Frühstück. Es gibt:

Heißen Mokka (wir nennen ihn Cowboykaffee) …

… den sich Mante noch mit Schokomilch aufwertet. Lecker!

Dazu gibt es, wie gehabt, Rührei – mit der Ausnahme allerdings, dass der Speck diesmal durch Zwiebeln und Trockenfleisch (Biltong) ersetzt wird.

Gekocht wird natürlich im Unterhemd! Gehört sich auf dem Balkan so!

Nach dem Frühstück beschließen wir, die Zelte aufgebaut zu lassen, und noch mindestens eine weitere Nacht auf Camp Ujča dranzuhängen. Es ist der perfekte Ausgangspunkt für Ausflüge in das Nationalgebirge Velebit und die Mondlandschaft-Inseln Rab und Pag. Letztere wollen wir morgen besuchen, heute beginnen wir erstmal mit einer Schotter-Tour durchs Hinterland, in den Velebit-Nationalpark, rauf auf den Berg Zavižan, der eine traumhafte Aussicht über die Inseln und das Meer bietet.

Die Route führt uns durch verschlafene Dörfer und über einsame Waldwege, nur selten begegnen wir jemandem. Das letzte Stück bis zum Gipfel kostet ein paar Kuna, die kleine Hütte mit der Kasse ist trotz diesigem Wetter tatsächlich besetzt. Die Hoffnung, der Gipfel könnte mit seinen 1678 Metern vielleicht schon über den Wolken liegen, zerschlägt sich.

Es wird immer nebeliger. Auf dem Gipfelparkplatz angekommen, überlegen wir, ob wir den Trampelpfad bis zum Aussichtspunkt überhaupt noch gehen sollen, entscheiden uns aber schließlich dafür.

Hier eine kleine Zusammenfassung meiner Helmkamera, die Schotterfahrt habe ich extra etwas gekürzt:

 

Ein kleines Stück unterhalb des Gipfels gibt es eine Hütte, in der man auch übernachten kann.

Mante und ich bleiben aber nur für einen kleinen Snack. Beim Abstieg setze ich mir direkt wieder meinen Helm auf, damit der kalte Wind mir nicht die Ohren abbeißt!

Statt den Weg wieder zurück zu nehmen, den wir gekommen sind, übersehen wir ein Durchfahrt-Verboten-Schild und fahren auf der Südseite des Zavižan Richtung Meer. Kleine Feldwege führen uns über traumhafte Wiesenplateaus. Einige werden die Landschaft noch aus diversen Winnetou-Filmen kennen, die zum Teil hier gedreht wurden.

Am Nachmittag sind wir endlich wieder unterhalb der Wolkendecke und können eine atemberaubende Aussicht auf Adria und die Inseln genießen. Direkt vor uns liegen Pag und Rab, weiter hinten Losinj.

 

Leider ist der schmale Schotterpfad, den es hier einmal gab, mittlerweile einem Teerband gewichen. Auch die langgezogenen, geschotterten Serpentinen sind asphaltiert. Bei meinem letzten Besuch sah das Ganze noch so aus:

 

Zurück in der Zivilisation gehen wir einkaufen und kehren zurück zum Campingplatz. Nach einem Bad in der Adria grillen wir Ćevapčići; unser Platznachbar leit uns dafür freundlicherweise seinen Gasgrill.

Serviert mit Paprika-Reis, Zwiebeln und Ajvar eine richtig leckere Nummer!

Dazu ein Karlovacko = Glücklich!

One Thought on “Teil 2
Schottern bei Winnetou

  1. Anonymous on 29. September 2014 at 12:03 said:

    molto bene!

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