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Teil 1
Klassenfahrt auf Schotterpisten

Das Schöne mit dem Nützlichen verbinden, das wollten wir auch diesmal wieder, als wir Mitfahrer für eine Tour im Anschluss an unser jährliches 800GS-Treffen suchten. Anders als in den letzten Jahren meldete sich aber gleich ein halbes Dutzend Leute, die die Zusammenkunft am Königsee im Berchtesgadener Land als Sprungbrett für einen mehrtägigen Ausflug nach Norditalien nutzen wollten.

Bereits im Vorfeld hatten wir uns auf eine Schotter/Offroad-Tour ins schöne Friaul geeinigt, sozusagen als erstes Ziel. Von dort aus sollte es dann in bekannter Manier spontan in beliebige Himmelsrichtungen weiter gehen. Ein paar richtig schöne Etappen standen schon auf dem Programm: Forcella Lavardet, Panoramica delle Vette, die Sackgassen zum Zoufplan und Monte Paularo – allesamt un-asphaltierte Traumstrassen. Navi-Tracks wurden gespeichert, topografische Karten laminiert, kurzum: Die Vorfreude war groß. (Keine dieser Strecken sollten wir am Ende gefahren sein, aber dazu später mehr.)

Ein paar Tage vor Abreise liege ich noch mit 39°C Fieber im Bett. Die 800 Kilometer lange Anreise zum Königsee traue ich mir im Sattel noch nicht recht zu. Mit ADAC- und Presserabatt buche ich daher kurzerhand (und zugegebenermaßen auch etwas naiv) einen Transporter. Der von mir in Richtung Alpen sonst so gern genutzte Autoreisezug verkehrt ab Berlin seit diesem Jahr leider nicht mehr. Die Bahn hat zwar einen LKW-basierten Ersatzservice eingerichtet, den ich aber noch nicht getestet habe. Der Komfort jedenfalls, im gleichen Verkehrsmittel wie das eigene Motorrad zu reisen, der ist ab Berlin leider dahin.

Mante und ich holen den Transporter ab und sind erstmal ziemlich frustriert, wie kurz die Ladefläche bei einem T300-Transit ist. Ich hatte eigentlich mit einem längeren Sprinter gerechnet, aber bei Oneway-Mieten muss man wohl nehmen, was man kriegt. Nach langem Hin- und Hergeochse, und einer zur Rampe umfunktionierten Europalette, passen unsere beiden F800GS schließlich doch auf die Ladefläche. Dummerweise muss eigentlich noch eine dritte Maschine mit rein: Die von unserem Freund Holger, den wir in Leipzig abholen wollen. Weiß der Geier, wie das passen soll!

Als wir Holger auf einer Tankstelle an der A9 aufgabeln, ist er zuversichtlich, dass seine 2,30m lange Maschine noch irgendwie auf dem verbliebenen Restmeter der Ladefläche Platz finden wird.

Und in der Tat: Wir fahren den Transporter rückwärts an eine Schräge und schieben die Kiste über ein ziemlich überlastetes Brettchen hinten rein. Das Kennzeichen guckt zwar noch ein Stück raus, die Heckklappe muss offen bleiben, aber wir verzurren alles anständig, so dass nix wackelt oder rutscht.

 

Der Transporter soll in Freilassing an der Deutsch-Österreichischen Grenze abgegeben werden, von dort sind es nur noch 40km bis zum Treffen. Unterm Strich ist diese Variante übrigens nicht viel kostspieliger als der Autoreisezug. Dafür aber deutlich flexibler. Wichtig ist nur, dass man einen Oneway-Tarif ohne Kilometerbegrenzung bekommt, und den habe ich nur bei Hertz gefunden. Inklusive Diesel landen wir so am Ende bei knapp 90€ pro Person für 800 Kilometer. Für Holger werden wegen der kürzeren Anreise sogar nur 74€ fällig.

Sieben Stunden und 762 km später stellen wir den Transit in der Filiale in Freilassing auf den Hof. Mir geht es schon deutlich besser, trotzdem war es die richtige Entscheidung, nicht auf eigener Achse anzureisen. Wir satteln die Gäule und fahren zum Königssee.

Das F-GS.de Treffen findet jährlich an Fronleichnam statt. Es ist im Grunde genommen ein klassisches Fahrer- und Forumstreffen, vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass sich die über 50 Teilnehmer etwa zur Hälfte aus Campern und Hotelschläfern zusammensetzen. Ich pflege immer zu sagen, dass die 800GS an sich ja schon ein Kompromiss-Motorrad ist. Die einen bewegen sie hauptsächlich zum Café und zurück, die anderen steuern damit um die Welt. Und die Zusammensetzung unseres Treffens spiegelt das wieder.

Auf dem Campingplatz ist schon ordentlich was los, als wir ankommen. Man kennt sich vom Lesen oder aus den vergangenen Jahren. Holger, Mante und ich bauen schnell unsere Zelte auf, und gehen dann auf Begrüßungsrunde.


Die folgenden Tage verbringen wir abwechselnd mit Motorradfahren, Quatschen und dem essen bayrischer Spezialitäten. Kann einen schlimmer erwischen!

Am letzten Tag des Treffens schnuppern wir zum ersten mal ein Bisschen Schotter. Der Steinchen-Anteil der Tagestour zur Ursprungalm ist zwar vergleichsweise klein – für uns aber perfekt zum eingewöhnen.

Gern wären Mante und ich auch noch über die in unmittelbarer Campingplatznähe liegende Roßfeldhöhenringstraße gefahren. Die ist ausgerechnet an diesem Wochenende aber gesperrt und von laut röhrenden Fahrzeugen wie diesem hier belegt:

Am Abschlussabend sitzen wir zum ersten mal richtig mit der Anschlusstour-Truppe zusammen und sprechen über Fernziele und unsere morgige, erste Etappe. Leider haben sich in den vergangenen Stunden Befürchtungen verdichtet, im Friaul könnte uns überaus ungastliches Wetter erwarten. In der Tat ziehen auf dem Handy-Regenradar reichlich blau-violette Flecken in der Gegend auf, die uns unseren Plan noch einmal überdenken lassen. Schlechtes Wetter ist für Schotter zwar kein grundsätzliches Ausschlusskriterium. Weil wir aber eine ganze Woche unterwegs sein werden, zumal mit dem Zelt, spielt die Witterung aber auch keine ganz untergeordnete Rolle.

Um Uhrzeigersinn von oben: Alex, Domi, Marius, ich und Mante bei der Routenplanung.

Wir beschließen, vorerst nicht das Friaul anzupeilen, sondern in einem Rutsch zu unserem eigentlich für danach angedachten Ziel zu fahren: Istrien. Bisher war geplant, dort nach den Schotter-Etappen etwas Kraft zu tanken, Kaffee zu trinken und in der Adria baden zu gehen. Wenn die Regenfront durchgezogen ist, können wir immer noch unser ursprüngliches Vorhaben aufgreifen. Wir würden die Tour dann quasi von hinten nach vorn fahren.

Mit diesem Plan in der Tasche gesellen wir uns zurück zum Rest der 800GS-Gesellschaft. Es wird ein wunderbarer Abschiedsabend, mit Buffet, Bier und reichlich netten Menschen. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr.




Während der Großteil der Fahrer & Fahrerinnen morgen die Heimreise antreten wird, geht es für uns fünf dann erst so richtig los!

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