Post Navigation

Sansibar!

Wenn man Sansibar googelt, dann verweist der erste Treffer doch tatsächlich auf ein Sylter Restaurant, in dem Austern, Champagner und teure Lederarmbändchen feilgeboten werden, ironischerweise drei Sachen, mit denen die Menschen im echten Sansibar heute nicht das geringste zu tun haben.

Da ich Austern zwar sehr lecker finde, mir aus Champagner aber nicht all zu viel mache und auch nicht der Typ für teure Lederarmbändchen bin, hatte ich mich, gemeinsam mit meiner Liebsten, Anfang des Jahres dazu entschlossen, doch dem echten Sansibar mal einen Besuch abzustatten. Freunde von uns haben dort seit vielen Jahren ein kleines Häuschen, in dem wir drei Wochen lang wohnen durften. Obwohl wir auf der Insel auch Motorrad gefahren sind, war es kein reiner Motorradurlaub, deswegen schreibe ich hier jetzt mal nur einen kleinen Bericht.

Der Versuch im Vorfeld von Deutschland aus eine Motorradvermietung auf Sansibar ausfindig zu machen, verlief größtenteils im Sand des Indischen Ozeans. Von verschiedenen Stellen konnte mir aber glaubhaft versichert werden, dass dies vor Ort sicher kein Problem sein würde. Die 30-stündige Anreise wurde zunächst allerdings mit deutlich unattraktiveren Fortbewegungsmitteln bestritten:

Berliner U-Bahn
Berliner Bus
Ägyptisches Flugzeug
Ägyptischer Flughafenbus
Ägyptisches Flughafenrollband
Ägyptisches Flugzeug
Tansanisches Taxi
Tansanische Fähre
Sansibarisches Taxi (inklusive Fahrer der mit seinem irdischen Dasein offenbar abgeschlossen hatte)

Politisch gesehen ist sicher auch ein Sansibarisches Taxi ein Tansanisches Taxi, aber weil die ostafrikanische Inselgruppe Sansibar eine teilautonome Verwaltungsregion Tansanias darstellt, habe ich das mal so formuliert. Wie dem auch sei – Endlich im abgelegenen Jambiani angekommen, entpuppte sich das angekündigte kleine Häuschen als traumhaftes Traumhäuschen am traumhaften Traumstrand:

 


So oft kann man gar nicht gekniffen werden, dass man seinen Augen diesen Anblick glaubt!

 


Aussicht in die andere Richtung von der Terrasse aus.

 


Ananas, Passionsfrucht, Papaya, Bananen und eindrucksvolle 40°C Temperaturunterschied zu Berlin.

 


Hin und wieder schaut der Nachbar vorbei. Lässiger Typ!


Zu meiner großen Freude war es vor Ort in der Tat kein großes Problem, eine Motorradvermietung ausfindig zu machen. Das lag vor allem daran, dass auf Sansibar jeder, der ein motorisiertes Zweirad besitzt, theoretisch eine Motorradvermietung darstellt. In der Red Monkey Lodge, einer wunderbaren Anlage am anderen Ende unseres Strandes, stand bereits fünf Minuten nach meiner Anfrage ein junger Mann mit zwei Schlüsseln zur Auswahl parat, einer für eine Vespa und einer für ein Motorrad.

 


Eine Honda Xr 250 Baja! Klar dass die Wahl da nicht sonderlich schwer fiel.

 

Gut, 250 Kubik ziehen sicher keinen Fisch vom Teller, aber im tansanischen Linksverkehr möchte man ohnehin keine großen Sprünge machen (im wahrsten Sinne des Wortes). Und für 15$ am Tag ging die Maschine allemal in Ordnung, offizielle Vermieter nehmen etwa das doppelte. Zum Mitschwimmen reicht ein Viertelliter auch völlig aus, selbst im Soziusbetrieb. Denn der Rest der Insel kommt mit deutlich weniger daher.

 


Ordentlich Grip auf der Hauptstrasse von Jambiani – dank Korallenbelag.

 


Wer Sansibar mit dem eigenen PKW bereisen möchte, kommt an diesem Pott nicht vorbei. Einen Fähranleger gibt es allerdings nicht, das Teil läuft zum Be- und Entladen einfach am Strand auf Grund.

 


Ein gewisses Maß an Geländegängigkeit wird also vorausgesetzt. Man kann aber auch, wie dieser Kollege hier, einfach mit Tempo 80 auf den Strand ballern, und hoffen, dass man es bis auf die Rampe schafft.


Wer mit dem Motorrad anreist, kann scheinbar auch die Personenfähre nutzen. Die fährt öfter und zudem noch deutlich zügiger. Christian Scholtis hat das im April 2012 mit seiner 800GS hier mal vorgemacht.

Vier Tage lang sind wir mit der 250er auf der Insel unterwegs gewesen. Getankt wurde an wilden Tankstellen aus Glasflaschen am Wegesrand. Der Linksverkehr war am Ende kein großes Problem, weil es außerhalb von Stone Town, der Hauptstadt von Sansibar, generell nicht sonderlich viel Verkehr gibt. Nur in den Kreisverkehren musste ich mich immer ein Bisschen konzentrieren.

Sämtliche Reiseführer weisen übrigens darauf hin, aus Deutschland unbedingt einen internationalen Führerschein (15€) mitzubringen, da der Europäische von der Polizei nicht akzeptiert wird. Zudem seien Touristen angeblich eine willkommene Quelle für Zuverdienste und würden mitunter gleich mehrmals am Tag kontrolliert (jeweils auf dem Hin- und Rückweg) – und zur Kasse gebeten. Wir wurden allerdings kein einziges Mal überprüft, obwohl wir ziemlich gut als nicht-Einheimische zu erkennen gewesen sind.

 

 


Was zu Hause gemahlen im Gewürzregal steht, kann man auf einer Spice-Tour selbst pflücken: Indischen und einheimischen Kardamom, Nelken (Sansibar wurde einst als Nelkeninsel berühmt), Kaffirblatt, Chili, Kurkuma, Ingwer, Kaffee, Pfeffer, Zimt und Zimtwurzel (die nach Eukalyptus riecht), Muskat, Macisblüte und Lemongrass.



In Stone-Town sollte man sich den Nachtmarkt nicht entgehen lassen. Gegrillt wird hier fast alles, was den Fischern ins Netz geht. Ich habe Haifisch gegessen, Blauen Marlin, Barrakuda-Sushi, Red Snapper und verschiedene Korallenfische. Der Barrakuda war am leckersten.


Nach zwei Wochen Strandurlaub auf Sansibar wollten wir unbedingt noch eine kleine Safari auf dem tansanischen Festland machen. Als Normalverdiener kann man sich sowas zwar fast nicht leisten, aber wir dachten, wenn wir schon mal südlich des Äquators sind, dann wäre es sicher unverzeihlich, sowas auszulassen. Tansania hat mehrere Wildreservate; der Mikumi-Nationalpark gehört zu den kleineren aber grenzt auf einer Seite an die riesige Selous Game Reserve. Von der Hauptstadt Dar-Es-Salaam ist er in 4-5 Stunden mit dem Bus zu erreichen.

 

Das Busticket für die rund 300km lange Strecke bis zum Nationalpark kostet etwa 15$. Stoßdämpfer sind da allerdings NICHT inklusive!


Während der Fahrt lief an Bord des Busses… achquatsch… eigentlich während des gesamten Aufenthaltes in Tansania und Sansibar lief rund um die Uhr BONGO FLAVA – die tansanische Variante des afrikanischen Hip-Hops. Bongo Flava übertrifft, was die Kassettenverkäufe angeht, angeblich alle anderen ostafrikanischen Musikstile. Nach der 5-stündigen Busfahrt kannten wir auf jeden Fall alle Hits und konnten auf Swahili mitsingen. Wer mal schnuppern möchte, bitte hier drücken:

 

 

Die Tan-Swiss-Lodge liegt etwas außerhalb des Mikumi-Nationalparks (Vergaserfreunde aufgepasst – Nicht MIKUNI – Mikumi!). Betrieben wird sie von einem schweizerisch-tansanischen Ehepaar, daher der Name. Die Lodge verfügt über mehrere Land-Rover, von denen wir am Folgetag einen gemietet haben, inklusive Fahrer.

 


Renatus hat uns einen Tag lang kreuz und quer durch den Nationalpark kutschiert. Und das ist gar nicht so einfach!

 


Noch mal das Bild vom Anfang zum Beispiel. Eine endlose Strasse bis zum Horizont. Gefahrlos zu fahren? Mitnichten! Bitte noch mal genau hinschauen.



AHA! Das Fehlen offizieller Zebrastreifen zwingt sogar den Namensgeber zu erhöhter Vorsicht am Fahrbahnrand.

 


Und diese Kollegen hier sind natürlich auch mit Vorsicht zu genießen.

 


Bisweilen hat uns Renatus näher herangebracht als uns lieb war. Aber es blieben keine Wünsche offen: Löwen, Elefanten, Flusspferde, Giraffen, Zebras, Impalas, Büffel, Wildebiest und Warzenschweine.


Den letzten Tag vor unserem Heimflug haben wir in Dar-Es-Salaam verbracht, übersetzt dem Hafen des Friedens. Als Mitbringsel habe ich zwei große Macheten und eine Flasche tansanischen Gin gekauft, der Konyagi genannt wird.

 


ZARARA – Der Friseur der Reichen und Mächtigen!

 

Obwohl von Touristen irgendwie erwartet wird, normale Taxis zu benutzen, bevorzugten wir die kleinen Tuk-Tuks. Sie kosten nur halb so viel aber machen doppelt so viel Spaß!

Tansania und Sansibar sind sicher keine klassischen Motorradparadiese, aber wer auf einer Tour, zum Beispiel von Nord- nach Südafrika, überlegt, ob er die West- oder Ostroute nimmt, dem kann ich nur letzteres empfehlen!

2 Thoughts on “Sansibar!

  1. André on 3. Oktober 2012 at 17:28 said:

    Sansibar, nicht gerade das klassische Reiseziel. Toller Bericht.

    Gruß
    André

  2. lustich-lustich zu lesen…
    das zebra am rande besonders…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.