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Morocco in a nutshell


Hier noch mal ein paar wissenswerte Sachen in der Zusammenfassung. Wenn mir (oder Euch) noch etwas einfällt, dann ergänze ich das hier gern.

Anfahrt
Wir waren vier Wochen unterwegs, von denen insgesamt eine auf An- und Abreise entfiel. Der schnellste (und auch günstigste) Weg von Deutschland nach Marokko ist sicher die Fähre ab Genua. Die kostet bis Tanger derzeit pro Person inklusive Motorrad 184€, was man auf eigener Achse sicher nicht unterbieten kann, zumal man auf dem Landweg ja noch einige Übernachtungen braucht, und am Ende dann doch noch mal mit einer Fähre fahren muss. Die billigste Unterbringung ist die einfache Deckspassage im Pullmannsessel, da schnarcht man nachts mit halb Marokko in einem Raum. Ich kokettiere ja gern damit, dass ich ein harter Typ bin und schwer im Nehmen, und dass man immer nur so alt ist, wie man sich fühlt. Aber da habe sogar ich gern ein paar Euro für eine Kabine draufgelegt. Das kostet dann 240€. Man ist ab Genua 52 Stunden unterwegs, und da ist ein Bisschen Privatsphäre zwischendurch durchaus sinnvoll.
Ab Barcelona haben Behrang und ich pro Person mit 100€ etwa die Hälfte bezahlt. Auch die Zeit auf See halbiert sich von dort.

Ich habe von Leuten gehört, die mit den Bikes auf dem Hänger bis Gibraltar gefahren sind, und dort Auto+Hänger auf einem Campingplatz abgestellt haben. Könnte sich lohnen, wenn man in einer größeren Gruppe unterwegs ist.

Einreise
Die Zollformalitäten an Bord hat Thomas sehr gut beschrieben. Wenn man da von den Beamten nach dem Reisezweck gefragt wird, spart man eine Menge Zeit, wenn man sich als Motorradfahrer zu erkennen gibt. Die verkaufen ihre Fahrzeuge vor Ort nämlich nicht. Grüne Versicherungskarte mit nicht gestrichenem „Marokko“ ist theoretisch Pflicht, sonst muss man vor Ort eine teure Versicherung abschliessen (60€/4Wochen). Praktisch hat das in Tanger aber auch kein Zöllner kontrolliert.

Betriebsmittel
Sprit kostete in Marokko im Herbst 2011 halb so viel wie in Deutschland, und die Bleifrei-Versorgung war nie ein Problem. Generell ist die Tankstellendichte sehr gut. Wenn man aber unbefestigte Strecken im Süden fährt, sollte man anständig kalkulieren. Hier zum Beispiel gibt es zwischen Erg Chebbi und dem Draa-Tal eine sehr schöne Piste, die wir uns nicht zugetraut haben, weil da zwischen Merzouga und Zagora exakt NICHTS ist.


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Aber bevor man sowas fährt, sollte man sich ohnehin vorher über die derzeitige Beschaffenheit der Piste informieren, am besten vor Ort, und noch besser bei Leuten, die gerade genau aus der Richtung kommen, in die man fahren möchte. Ein Freund hat mir mal erzählt, dass er sich auf einer so einer Strecke mit seiner HP mal stundenlang durch Verwaschungen und kopfgrosses Geröll vorangequält hat, den männlichen Schweiss auf der Stirn. Aus der Gegenrichtung ist dann ein Marokkaner mit seinem Mofa munter an ihm vorbeigeknattert… Beschaffenheitsaussagen darf man demnach also nicht 1 zu 1 übernehmen, sondern muss sie auch relativ zur eigenen Frustrationstoleranz interpretieren.

Genau so wie die Sprit- war auch die Wasserversorgung nie ein Problem. Abgepacktes Flaschenwasser gibt es überall für schmale Münze. Ich war in Marokko ein grosser Fan von diesen 5-Liter-Kanistern, die ich mir einfach auf den Soziussitz geschnallt habe. Im Prinzip hatte ich immer zu viel dabei, aber hey, besser als andersrum. Der Rest unserer Vierergruppe hat kleinere Flaschen auf den Seitenkisten favorisiert. Wasser war bei uns aber immer Gemeingut.

Navigation
Die Michelin Karte von Marokko war sehr gut. Erst hatte ich Sorge, 1:1000000 wäre zu grob, aber eine bessere ist uns auf der ganzen Reise (auch bei anderen Reisenden) nicht begegnet. Gerade bei Pisten ist eine Karte auch immer nur so gut wie ihr Alter, weil sich da ständig was ändert. Der Michelin war immer zuverlässig. Gibt 2012 auch eine Neuauflage.

Mein TomTom Navi hat die ganze Zeit ausgezeichnete Dienste geleistet, und das obwohl es eigentlich nicht mal für den Einsatz auf einem Motorrad gedacht ist. TomTom bietet eine ganz brauchbare Marokko-Karte an, mit der wir (sogar auf einigen Pisten) immer ganz gut geroutet wurden. Vor allem wenn es darum geht, wie lang eine Strecke oder Tagesetappe wirklich ist, ist ein Navi Gold wert. Das fällt einem bei gekringelten Passtrassen oder in mäandernden Tälern auf einer Papierkarte nämlich nicht immer leicht. Wer kriminelles Potential besitzt, kann fast jedes Navi auch hier aufbohren. Von mir ungetestet bietet aber auch Island-Olaf eine Garmin-Karte für Marokko an.

Es gibt diverse kostenlose Points-of-Interest Angebote für Marokko im Web, müsst ihr nur mal gucken. Ich hatte eine Campingplatzliste im Navi, die uns oft den Arsch gerettet hat. Ich muss noch mal schauen, woher ich die hatte.
UPDATE: Die Liste war von Ulrich. Auf www.desert-info.ch bringt er regelmäßig aktualisierte POIs von Campingplätzen und Nationalparks auf der ganzen Welt heraus. Aus dem Ordner kann man sich sehr schön nur die für einen selbst relevanten POIs kopieren, in diesem Falle Afrika/Marokko.

Unsere Wegstrecke selbst habe ich mit einer kleinen App auf meinem Android-Smartphone mitgeschnitten, dem Open GPS Tracker. Man kann bei dem auch OpenStreetmaps hinterlegen oder gerippte Satellitenbilder, was ich aber nicht gemacht habe. Zwischendurch musste ich zwei oder drei mal einen neuen Track anlegen, weil die Waypoints irgendwann zu viel wurden und mein altes Milestone dementsprechend langsam. Jedes halbwegs moderne Motorrad-Navi kann heute natürlich auch selbst aufzeichnen.


Zahlungsmittel
Diram kamen immer problemlos aus dem Automaten, auch da ist die Abdeckung sehr gut. Ich habe bei meiner VISA-Kreditkarte von der ING-Diba immer 1,25% des Abhebebetrags an Gebühren bezahlt, was weniger ist, als wenn man Euros vor Ort wechselt. Ausserdem hat man dann auch nicht immer so viel Bargeld dabei. Viele Banken haben Wachleute vor der Tür stehen, da muss man sich dann beim Abheben auch nicht ins Hemd machen.
Generell ist es gut, kleinere Scheine zu horten, weil in Marokko chronisch Kleingeldmangel herrscht (einzige Ausnahme: Tankwarte). Wenn man mit großen Banknoten bezahlt, wird man erst mit Hundeaugen angeguckt, ob man nicht doch einen kleineren hat, oder womöglich sogar das Wechselgeld gar nicht haben möchte. Wenn man aber eisern bleibt, und dazu kann ich jedem im Sinne der kommenden Touristengenerationen nur raten, dann wird meistens jemand losgeschickt, der irgendwo Wechselgeld besorgt. Muss man dann halt ein bisschen warten.

Kommunikation
Sprachlich kommt man in den meisten Teilen Marokkos mit Französisch schon ganz gut durch, vor allem im Norden sprechen viele auch Spanisch. In den größeren Touristenzentren funktioniert auch ganz ordinäres Englisch. Hände und Füsse sind aber immer und überall eine sichere Rückfallebene. Wenn du als Tourist ein Anliegen hast, oder irgendetwas willst, brauchst Du dir keine Sorgen darüber zu machen, dass man dich versteht. Da in Marokko jedermann selbständig und nicht angestellt ist, kommt die nötige Motivation meist ganz von selbst.

Reiseführer
Wir hatten in der Gruppe diverse Reiseführer über Marokko dabei. Ich hatte einen älteren Reise Know How, es gab einen Lonely Planet, und noch zwei andere. Zur Vorbereitung sind die sicher auch ganz gut, vor allem, wenn es darum geht, erstmal rauszufinden, was man grundsätzlich sehen möchte. So kann man für sich selbst schon mal eine grobe Strecke abstecken.
Wenn ich ehrlich bin, haben wir die Dinger unterwegs dann aber fast gar nicht mehr rausgeholt. Ist natürlich eine Grundsatzfrage, wie detailliert man zum Beispiel etwas über ein Gebäude oder eine Stadt wissen möchte. Wenn man mit dem Motorrad unterwegs ist, ist es zudem etwas anderes, als mit dem Auto oder pauschal, weil ja einfach jeder mit Fahren beschäftigt ist. Für Pärchen oder Alleinreisende können Reiseführer aber sicher ganz essentiell werden. Bei uns hat immer irgendwer was angestellt, da hatte man keine Zeit zum Lesen. Wir haben ein einziges Mal eine Unterkunft aus dem Lonely Planet genutzt, das Royal in Fes. Das war auch gut. Und in solchen Situationen ist ein Reiseführer sicher auch praktisch.

9 Thoughts on “Morocco in a nutshell

  1. D. Heinz on 16. März 2012 at 18:37 said:

    Well done!

  2. Sebastian on 2. April 2012 at 21:03 said:

    Zum Thema Zahlungsmittel:
    es ist ratsam immer einen guten vorrat an kleinen Geld scheinen mit sich zu führen, direkt beim Tausch darauf achten macht echt sinn!

    Gruß
    Sebastian

  3. Freerk on 7. April 2012 at 17:52 said:

    Stimmt. An die Details denkt eben nur dem Finanzminister…

  4. Gerhard on 28. August 2012 at 14:08 said:

    Hut ab!!!Toller Reisebericht, super geschrieben und ebenso tolle Bilder und Videos. Man möchte sofort selbst los, aber dann setzt doch wieder der letzte Rest von Verstand ein und man gesteht sich ein, dass solch eine Tour nicht mal einfach so zu machen ist.
    Also moch mal danke für den Bericht und eine spannende und unterhaltsamme Stunde vorm PC.
    Beste Grüße aus Nordberlin
    Gerhard

  5. Freerk on 29. August 2012 at 13:27 said:

    Hey Gerhard,
    vielen Dank für dein Kompliment! Du hast sicher Recht, „einfach so“ ist so eine Tour sicher nicht zu machen, aber welche vierwöchige Reise ist das schon?
    Mit diesem Reisetagebuch möchte ich eigentlich zeigen, dass eine Tour nach und durch Marokko im Grunde genommen genau so leicht zu planen und zu realisieren ist, wie Reisen durch Europa auch. Viele Leute lassen sich ja allein davon abschrecken, dass das ein anderer Kontinent ist. Aber in Marokko wird auch nur mit Wasser gekocht, beziehungsweise mit Holzkohle gegrillt ;) genau wie bei uns.
    Deswegen: Auf zum Atlas!

  6. Toller Bericht und Zusammenfassung!

    2 Sachen habe ich irgendwie vermisst:
    1. Seit Ihr die ganze Tour onroad gefahren oder auch Pisten, Wüste & Co.?
    2. Könntest du ne Karte Eurer Tour sowie der angefahrenen Städte in die Zusammenfassung packen?

    Bis denne,
    Kay

  7. Freerk on 21. Februar 2013 at 20:28 said:

    Hey Kay,
    zu 1: In der Wüste sind wir die Pisten nur als Tagesausflug ohne Gepäck gefahren. Für echte Transitetappen hat uns damals einfach die Erfahrung gefehlt. Zwischen den Schluchten haben wir aber ein ganz schönes Stück offroad gemacht, siehe Teil 8.

    Zu 2: Ich hab Dir oben noch mal schnell eine GoogleMap zusammengeklickt, die Pins sind unsere jeweiligen Übernachtungsplätze. Streckenführung kommt in den meisten Fällen ganz gut hin, nur an ein paar Stellen kennt Google die Strassen nicht, die wir gefahren sind (zum Beispiel eben zwischen den Schluchten). Wenn Du es genauer brauchst, kannst Du unseren Track für GoogleEarth downloaden: http://www.motopoly.de/wp-content/uploads/2012/03/AluHackbrettTour2011.kmz

    Grüße!

  8. Hättest du auch einen Garmin-Track/Route?

    Jetzt weiß ich, was hier noch fehlt – eine Auflistung der Übernachtungen mit Bewertung und Preis. das wäre super!

  9. Freerk on 22. Februar 2013 at 18:36 said:

    Ja, das wäre super!

    Kann man in den meisten Fällen aber auch in den jeweiligen Kapiteln nachlesen. Und den Track kannst Du vielleicht konvertieren. Oder Du pinnst ihn schnell selbst, geht RuckZuck.

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