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Kaltverformung im Harz

Ich und die Motorradtreffen, das ist jedesmal eine Geschichte für sich. Irgendwas ist immer! Bei meinem ersten F-GS-Treffen war die Lichtmaschine kaputt, und ich musste auf gemeinsamen Touren immer schön am Hang parken, um die Kiste nach einer Pause wieder in Gang zu kriegen. Beim nächsten Treffen habe ich dann drei Tage lang nach einem 55er Torx fürs Federbein gesucht, um mir die mitgebrachte Endloskette einbauen zu können. Und auf dem diesjährigen F-GS Treffen im Harz hatte ich ein kleines Kurven-Malheur, in dessen Folge es zu einer Reihe von folgenschweren Kaltverformungen an meinem Motorrad kam.

Mit einer flinken Truppe hatte ich am ersten Tour-Tag des Treffens fast 350 Kilometer durch den Harz zurück gelegt. Wir waren am Kyffhäuser, an ein paar Talsperren, kreuz und quer durch den Nationalpark. Eine tolle Tour. Auf dem Rückweg dann, keine fünf Minuten mehr vom Treffenstandort entfernt, fahre ich in einer schnellen Rechtskurve geradeaus. Warum, kann ich heute nicht mehr sagen. Wahrscheinlich einfach ein Aussetzer. Zu schnell sei ich eigentlich nicht gewesen, sagt Manni, der hinter mir fuhr.

Ich kippe also um und rutsche noch ein paar Meter unter dem Motorrad durch einen flachen Graben. Ich bin soweit okay. Und auch das Motorrad ist schnell wieder aufgerichtet, hat aber diverse Schäden davongetragen: Fußbremshebel verbogen, die Vorderradbremse greift nicht mehr, der rechte Handschützer ist ab, das Vorderrad blockiert. Und durch ein Loch im Lichtmaschinendeckel läuft Öl aus. Scheisse!

Christian nimmt mich als Sozius mit ins Dorf. Mit Kroemecs Hilfe und seinem Hänger holen wir das lädierte Motorrad. Meine schlechte Laune erhellt sich schnell: Ein Dutzend Freunde haben bald ein Dutzend Werkzeuge in der Hand – und schnell sind die wichtigsten Schäden kartografiert. Zu den schlimmsten zählt sicher: Ein Achsbruch vorn!

Durch Zuspruch und Trost der anderen fasse ich wieder Mut. Vielleicht ist das alles ja doch vor Ort reparabel? Der Rest des Tages vergeht mit Telefonaten mit Werkstätten in der Umgebung. Am nächsten Morgen kaufen Luz und Cat Dichtmasse für den Deckel und einen neuen Schlauch fürs Vorderrad. Nic repariert die nicht greifende Vorderradbremse. Und der unglaubliche Mante fährt fast 200 Kilometer, nach Wolfsburg und zurück, und bringt eine neue Steckachse mit!

Am Ende bricht mir leider doch ein Loch im Reifen das Genick, das alle übersehen hatten. Keine Werkstatt mehr offen. Kein Ersatz mehr beschaffbar. Ich muss doch den ADAC anrufen, und fahre noch am selben Abend mit einer Leih-Dose nach Haus.

Aber die Story ist noch nicht vorbei.

Zuhause bestelle ich auf einen Tipp hin Alu-Lötzinn zum Dichten des LiMa-Deckels. Bis die bestellte Ware eintrifft (leider läuft gerade ein Poststreik) verschließe ich das Loch mit Dirko und ziehe den Pfropfen mit einer kleinen Schraube fest. Funktioniert, sieht aber ziemlich Scheisse aus. Und wenn ich an irgendwas hängen bleibe, dann reißt es mir gleich den ganzen Deckel ab.

Das große Finale ist dann ein plötzlich auftauchender, gut erhaltener, gebrauchter Lichtmaschinendeckel, den Mante an einem Schraubernachmittag aus dem Rucksack zaubert.

Auf seine Initiative hin hatten im Forum offenbar derart viele Mitglieder Mitleid mit meiner Dirko-Pfropfen-Reparatur, dass kurzerhand der Hut rumgereicht wurde. Alles ohne dass ich auch nur einen Hauch davon mitbekommen hätte! Mante hatte erst noch Sorgen, dass ich am Ende meinen kaputten Deckel doch noch unbedingt reparieren wollen würde, der Bastlerehre wegen. Aber was soll ich mit dem ollen Ding! Jetzt wo ich einen vernünftigen habe!
Danke allen Beteiligten!

Schöne Bewegtbilder vom Schicksalstreffen hat Pendeline zusammengeschnitten:

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